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Die Entstehung des militärischen Großverbandes "Division"

Kurzer geschichtlicher Abriß

Die Entwicklung ein Heer nicht als Ganzes zu betrachten, sondern in sogenannte Divisionen zu unterteilen und die Waffengattungen - Infante-rie, Kavallerie und Artillerie - zu mischen nahm erst Ende des 18. Jahr-hunderts seinen Anfang. Der französische Oberst Graf Jaques Guibert machte in seinem 1770 erschienenen Hauptwerk "Essai general de tactique" den Vorschlag hierzu, um Truppenbewegungen zu erleichtern und zu beschleunigen.

Bisher waren die stehenden Heere des 18. Jahrhunderts nach den Gesichtspunkten der Lineartaktik in der starren Form eines einheitlichen Schlachtkörpers mit breitem Infanterierumpf, beiderseitig anschließenden Kavallerieflügeln und großen Batterien vor der Front zusammengefügt. In dieser geschlossenen, für den gesamten Feldzug - d.h. für Lager, Marsch und Gefecht - disponierten Ordnung bildeten sie ein unteilbares Ganzes und waren dementsprechend schwerfällig in der Bewegung. 

Der Vorschlag Guiberts, der Teilung und Waffenvermischung war allerdings so neu nicht. Bereits Marschall Moritz von Sachsen hatte sich mit dem Problem befaßt und auch in verschiedenen theoretischen Schriften der damaligen Zeit setzte man sich mit diesem Thema auseinander.

Guibert, dessen Reformgedanken zweifelsohne in die Zukunft wiesen, stellte jedoch den Kern der damals praktizierten Lineartaktik nicht in Frage. Daran änderte sich auch kaum etwas, als auf Befehl des Königs vom 28.07.1778 das französische Heer in sogenannte Armee-Divisionen umgegliedert wurde. Diese sollten unter Führung eines Generalleutnants maximal vier Infanteriebrigaden, eine Kavalleriebrigade und ungefähr sechsunddreißig Geschütze umfassen. Die Kopfstärke sollte etwa neuntausend Mann im Durchschnitt betragen. 

Die Realisierung der Umgliederung bereitete große Schwierigkeiten und bei Ausbruch der Revolution elf Jahre später war das Vorhaben noch nicht abgeschlossen gewesen.

Nach dem Wirbel der Revolution wurde das nun republikanische französische Heer neu organisiert. Der revolutionäre Krieg hatte die Entwikklung zum endgültigen Waffenorganismus der Division - im Gegensatz zum Waffenmechanismus der alten Einheitsarmee - vorangetrieben. 

Durch Verschmelzung von alten Linienregimentern und Volontärbataillonen entstanden rund zweihundertfünfzig (davon vierzig leichte, anfänglich Jägerbataillone genannte) sogenannte Halbbrigaden zu je ca. zweitausendvierhundert Mann (ab 1803 wieder Regimenter genannt). Die Kavallerieregimenter blieben bestehen und wurden vermehrt: die schwere Kavallerie von sechsundzwanzig auf neunundzwanzig, die Dragoner von achtzehn auf zwanzig, die Chasseurs von zwölf auf dreiundzwanzig und die Husaren von sechs auf elf. Zur Jahreswende 1793/94 bestanden ungefähr fünfhundert Escadrons zu je einhundertvierzig Pferden. Die Artillerie, welche ein eigenes Korps bildete wurde auf den von Jean-Baptiste Gribeauval geschaffenen Grundlagen reformiert. Im Jahr 1792 bestanden acht Regimenter zu Fuß und neun reitende Kompanien (nicht Batterien).

Die schwereren Kaliber, die organisatorisch zur Reserveartillerie gehörten zählten 1795 acht Regimenter zu Fuß zu je zwanzig Kompanien und acht reitende Regimenter zu je sechs Kompanien. Das Genie-Korps, bisher meist zur Artillerie gehörend, wurde mit zwölf Bataillonen und sechs Mineurkompanien selbständig. 

Erst diese Neuorganisation des Heeres schuf die Grundlage zur Bildung von selbständigen, gemischten Kampfverbänden mit eigenen Führungsstäben durch den Grafen Lazare Nicolas Carnot. Er gliederte die Divisionen in zwei jeweils von einem General geführte Brigaden, welche sich wiederum aus zwei Halbbrigaden formierten. Kavallerie, Artillerie und Pioniere wurden den Divisionen je nach Bedarf und Verfügbarkeit zugewiesen, waren also noch nicht fester Bestandteil dieser. Ende 1793 gliederten sich z.B. die Divisionen der Moselarmee in sieben bis neun Bataillone Infanterie, ein bis zwei Bataillone leichte Infanterie, zwei Kavallerieregimenter, zwei Artilleriekompanien zu Fuß und eine halbe Pionierkompanie.

Nach einer Erprobungszeit wurde das Divisionssystem in der republikanischen französischen Armee beibehalten. 

Die Teilung von Schlachtkörpern hatte den Vorteil der beweglichen und somit offensiven Kampfführung wie er vorher mit ganzen Schlachtkörpern schlecht möglich war. Er barg aber auch die Gefahr der Zersplitterung der Kräfte. Nach dem Divisionssystem drangen die einzelnen Divisionen in Front nebeneinander, aber oft kilometerweit auseinander, vor. Griff nun der Gegner mit seiner Hauptmacht eine Division an und schlug sie, war die Linie durchbrochen und wenn keine Infanteriereserve vorhanden war, konnte der Befehlshaber seinen verbliebenen Divisionen nur den Rückzug

befehlen und seine Streitkräfte neu sammeln. Napoleon I. sah sich in seinem ersten italienischen Krieg diesem Nachteil gegenüber und glich ihn durch Beweglichkeit, Schnelligkeit und die Bildung von Schwerpunkten aus. Er erkannte die Notwendigkeit einer neuen, zusätzlichen Führungsebene zwischen ihm, dem Feldherren und den Divisionsstäben. Im Jahre 1800 formierte er versuchsweise aus zwei bis drei Divisionen Korps, welche von einem Generalleutnant geführt wurden. Drei Jahre später wurde die gesamte Armee nach dem Korpsprinzip gegliedert, wobei die entstehenden Armeekorps nicht starr gegliedert waren, sondern als permanent vorhandene organisatorische Rahmen dienten. Zwischen drei und fünf Divisionen wurden je nach Auftrag und Verfügbarkeit unterstellt.

Jedes Armeekorps erhielt als Korpstruppen drei bis vier Kavallerieregimenter, Artillerie, zwei bis  vier Pionierkompanien und ab 1807 ein Trainbataillon. 

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Ursprünge der Untergliederung von Armeen in Divisionen von Frankreich ausgingen. Von Guibert, der den Ansatz dazu lieferte, über Carnot, der dessen zukunftsweisende Gedanken nach der Revolution umsetzte, zu Napoleon I., der das Divisionssystem weiterentwickelte und daraus ein äußerst schlagkräftiges Instrument schuf.

[nach Fiedler, "Militärgeschichte", a.a.O.]